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Briefkasten – ohne Leerung
intervention in public space, 2003 (Weimar), 2004 (Berlin)
concrete mailbox, sign with imprint
Im Frühjahr 2003 demontierte die Deutsche Post ohne lange Vorankündigung einige Tausend Briefkästen. Einen Briefkasten aus Beton hingegen platzierte Sylvie Boisseau von Juni 2003 bis August 2004 an einem dieser Orte in Weimar, Hegelstraße Ecke Steubenstraße. Er wurde jedoch niemals geleert, sondern widmete sich all jenen Briefen, die mit großer Leidenschaft geschrieben, dann aber nie abgeschickt wurden. Zum Zeitraum seiner Nutzung wurde der Briefkasten zu einem sich emotional aufladenden Entsorgungs- und Aufbewahrungsort für das Privateste im öffentlichen Raum – gedacht zur persönlichen Entlastung, für ein tabula rasa, einen Neuanfang. Seine Betriebsphase wurde seinerzeit gar gehäuft zum Anlass genommen, sich Briefe von der Seele zu schreiben und zu werfen. Der Betonsarkophag kann weder geöffnet werden noch weiß jemand, wie viele Briefe sich darin befinden. Als sicheres Depot wurde der Briefkasten – als Überbleibsel aus einer Zeit, in der zwischen dem Verfassen und dem Abschicken von Post noch etwas (Bedenk)Zeit v«erstreichen konnte – dem Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringen zur Aufbewahrung übergeben.
Im Herbst 2004 wurde Sylvie Boisseau mit dem Projekt Briefkasten - ohne Leerung von den Kuratoren Birgit Schumacher und Uwe Jonas nach Berlin eingeladen, um im Rahmen des Pilotprojekts Gropiusstadt auch hier eine Briefkasten Intervention zu realisieren.
Nachdem der Briefkasten von November 2004 - April 2005 in Berlin hing, wurde er der Museumstiftung Post und Telekommunikation in Frankfurt /Main übergeben, in der er jetzt Teil der Kunstsammlung ist.

