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Copy & Paste
     

Copy & Paste

Einen neuen Weg beschreiten Sylvie Boisseau und Frank Westermeyer mit ihrer komplexen, aus drei hintereinander gestaffelten simultanen Videoprojektionen bestehenden Installation „Copy & Paste“. Sie wurde kürzlich im Genfer „Centre pour l'image contemporaine“ ausgestellt. Das bereits in den früheren Filmen angelegte Interesse an alltäglichen menschlichen Gesten steht im Mittelpunkt dieser Arbeit, die den Ausstellungsbesucher dazu einlädt, selbst Bestandteil der Installation und Mitspieler in einem der projizierten Videofilme zu werden. Die mit dem Titel bezeichnete, aus der Computerarbeit vertraute Methode des „Copy & Paste“ läßt sich einerseits auf dieses „Einkopieren“ des Betrachters beziehen, das mit Hilfe des bekannten Blue-Box-Verfahrens geschieht. Im Detail geht es in der Arbeit vor allem um die Aneignung einer Geste, die von Boisseau und Westermeyer im Chicagoer Straßenalltag beobachtet und filmisch dokumentiert wurde. Die zur endlosen Schleife montierte minimalistische Studie eines Mannes, der an der Einfahrt eines Parkplatzes zur Verkehrsregulierung permanent eine kleine rote Flagge schwenkt, bildet den Ausgangspunkt der gesamten Installation. Die sinnlos anmutende, schon nach kurzer Betrachtung in einen reinen Automatismus abgleitende Handlung, verselbständigt sich in der Installation vollends. Das Schwenken der Flagge wird zur frei verfügbaren Geste, die mit filmischen Mitteln kopiert und spielerisch in neue Kontexte eingefügt wird.

Angesichts dieser Öffnung des künstlerischen Konzepts hin zum Interaktiven und nach dem Wechsel vom narrativen Ansatz der früheren Filme zur minimalistischen Fokussierung auf das Detail einer Geste kann man gespannt sein, wie sich die künstlerische Arbeit von Sylvie Boisseau und Frank Westermeyer weiter entwickeln wird.


Thomas von Taschitzki