Contact | Impressum

 

1 | 2 | Info deutsch | Français
Drive In Meeting Area
     

Drive In Meeting Area, Geneva


Sylvie Boisseau und Frank Westermeyer wählen für Ihre Projekte im öffentlichen Raum den Ort ihrer Intervention feinfühlig und sorgfältig aus. Sie tun dies mit einem Gespür für unpassende Gesten, ungewöhnliche Erlebnisse und mögliche Fiktionen.

Ihre Intervention Drive in Meeting Area befindet sich auf der Pendlerachse zwischen Genf (CH) und Annemasse (F) und beschäftigt sich mit der Frage des Durchgangs, der Migration: Für die einen ist dieser Ort ein Wohnort, für die anderen, die Grenzgänger und Pendler ist es ein Ort der Passage, ein Nicht-Ort. Die künstlerische Intervention greift in ein existierendes Café ein. Sie besteht aus einem Leuchtkasten und einem ausgewiesenen Parkplatz, der sich wie ein Keil durch die Hecke hindurch in die Terrasse des Cafés einfügt. Eine Markierung weist auf die neue Funktion hin: Die Spielregeln sind gegeben.

Zwei Welten, zwei Akteure stehen sich hier gegenüber in diesem Café mit dem treffenden Namen "Au Relais". Ursprünglich waren Relais Umspannstellen, an denen in regelmäßigen Abständen frische Pferde gegen müde Pferde ausgewechselt werden konnten. (Im erweiterten Sinn ist dies auch die Funktion der Raststätte: sich erholen, Kräfte tanken). Relais bedeutet auch Staffellauf – oder eine Etappe zwischen zwei Punkten in einem gegebenen Raum (ein Dazwischen). Die Nachfolge von jemandem zu übernehmen, als Vermittler dienen, ist es hier nicht die Rolle, die sich die beiden Künstler geben? Sie richten einen Ort der Begegnung ein, ein Bühnenbild (der Tisch und die Stühle sind etwas erhöht wie auf einer Bühne) des Austausches zwischen zwei Akteuren, die sich nicht kennen, die miteinander nicht verkehren: der Einheimische und der Pendler, der Fußgänger und der Autofahrer. In dieser Intervention wird der ursprüngliche Sinn eines Drive In auf den Kopf gestellt: Der Drive In wurde der Möglichkeit wegen erfunden, schnell konsumieren zu können, ohne aus seinem Fahrzeug aussteigen zu müssen. Sylvie Boisseau und Frank Westermeyer vertauschen hier die Werte und setzen auf einen möglichen Austausch von Geschichten und Anekdoten zwischen Individuen, die nichts verbindet, mittels einer Intervention die leicht ist (im Sinne der Einfachheit der Installation), zugleich kritisch und humorvoll.

Der öffentliche Raum ist Ort der unerwarteten Zufälle, des Experimentierens, offen für Interventionen, die bewusst ephemer sind an einem ephemeren Ort, dem Café, das demnächst abgerissen werden soll.

Claire de Ribaupierre