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Eine Gemeinschaft drückt sich aus
Das Aufeinandertreffen von Heimat und Fremde nimmt in der Videoarbeit „Paris - Weimar“ Gestalt an als Reise, als Zwischen-den-Orten-sein, also im Herüberfahren, im Übersetzen – wörtlich – über-setzen, das heißt: von hier nach dort, von einem Ufer zum andren wehcseln, vom Heimischen ins Nicht-Heimische.
Wer über-setzt, wer zum Exilierten, zum Gast wurde, sucht nicht selten die Dazugehörigkeit in einer Diaspora-community. Sie konstituieren sich zuerst durch eine gemeinsame sprachliche Identität, so etwa in der sogenannten „groupe du mercredi“, eine frankophone Gruppe, die sich seit vielen Jahren in Chicago trifft und deren Zusammenkunst zum Gegenstand der gleichnamigen Videoarbeit von Boisseau und Westermeyer wurde.
Der Akt des Übersetzens bildet auch den Motor der Installation „eine Gemeinschaft drückt sich aus“:
• Stempel sind beschriftet mit Chicagoer Straßennamen: Michigan Ave oder Lakeshore Drive
• Straßennamen verweisen auf eine bestehende räumliche Ordnung /einen Stadtplan, der in der Installation durch das Abdrucken von Stempeln an der Wand neu geordnet wird.
• In dieser neuen Topographie formiert sich ein Text, eine hypertextartige Narration, eine Collage aus Fragmenten, deren Syntax über das Relay des Stempels räumlich organisiert ist.
• Die Narration an der Wand ist nicht ohne weiteres lesbar, sie setzt einiges Voraus, sie ist doppelt kodiert, nämlich sowohl durch die Syntax der Topographie als auch durch die „Fremdsprache“ Französisch.
• Wer den Code nicht beherrscht, dem hilft das Übersetzungsbuch. Seine Leistung besteht darin 1. den Kode zu dekodieren: Fr-D
2. einen Hauptpfad durch den Hypertext festzulegen: die deterritorialen textuellen Versatzstücke zu reterritorialisieren.
Übersetzung
= aber nur eine mögliche Druckversion; unzählige alternative Lektüren wären möglich und durch die interaktive Organisation der Installation werden sie auch immer mitkommuniziert.
= ein komplexer Prozess mit vielen Relays/Schaltungen: die Straßennamen, der Stadtplan, die Textfragmente auf dem Stempel, der Wandtext, das Übersetzungsbuch nicht nur A in Z sonder Übersetzung vollzieht sich auf einer mehrdimensionalen und in sich gefalteten Ebene, auf „Mille Plateaux“ im Sinne von Deleuze. Übersetzen ist netzwerkartige Arbeit.
Sonja Neef

